Um 4:07 Uhr morgens ertappte ich meine siebzehnjährige Tochter, wie sie nach dem Abschlussball ins Haus zurückschlich. Sobald sie mich im Dunkeln sitzen sah, erstarrte sie. Dann glitt ihr die Handtasche aus der Hand, und etwas purzelte auf den Parkettboden. In dem Moment, als ich es sah, sank mir das Herz in die Hose.
Die Standuhr auf dem Kaminsims schien viel lauter als sonst. Mitternacht verging, dann näherte sich ein Uhr, und Ellie war immer noch nicht nach Hause gekommen.
Ich redete mir immer wieder ein, dass sie sich wahrscheinlich verspätet hatte. Abschlussbälle dauerten doch immer länger als geplant, oder?
Vielleicht hatte die Feier nach dem Abschlussball länger gedauert als erwartet. Teenager waren ja nicht gerade dafür bekannt, die Zeit im Blick zu behalten.
Aber Ellie war anders.
Genau das machte es so beunruhigend.
Sie war der Typ Mädchen, der mir eine SMS schreiben würde, wenn sie damit rechnete, zehn Minuten später aus der Bibliothek zu kommen.
In siebzehn Jahren hatte sie nie gegen die Ausgangssperre verstoßen.
Sie erzielte hervorragende Noten und vermied Schwierigkeiten.
Um ein Uhr hatte ich ihr bereits zwei Nachrichten geschickt. Auf keine von beiden erhielt ich eine Antwort.
Ich habe es erneut versucht. Die gewohnte Zustellbestätigung erschien nicht.
Ich lief im Haus auf und ab und suchte verzweifelt nach einer logischen Erklärung dafür, wo meine Tochter sein könnte.
Meine Gedanken schweiften zurück zu dem Moment am frühen Abend, als sie in ihrem Ballkleid die Treppe herunterkam, und für einen Augenblick hatte ich vergessen, wie man atmet.
„Na?“, hatte sie gefragt und sich einmal im Kreis gedreht. „Akzeptabel?“
„Akzeptabel ist eine Beleidigung. Du siehst unwirklich aus.“
„Mama, bitte sag nicht unreal. Niemand sagt unreal.“
Ich habe mindestens zwanzig Fotos gemacht, bevor sie schließlich lachte und beschwichtigend die Hand hob.
Doch schon damals war mir etwas Ungewöhnliches an ihrem Lächeln aufgefallen. Irgendetwas stimmte nicht ganz. Ich hätte sie beinahe darauf angesprochen.
Jetzt, wo ich allein in der Dunkelheit sitze, wünschte ich, ich hätte es getan.