Anfangs schenkte ich dem keine Beachtung. Kinder schwitzen, dachte ich. Vielleicht gefiel ihr einfach nur die Kühle. Doch mit der Zeit wirkte diese Routine immer weniger wie eine freie Entscheidung und immer mehr wie eine mechanische Handlung.
Eines Abends fragte ich sie schließlich vorsichtig: „Warum badest du eigentlich immer sofort?“
Lily schenkte ihm ein schnelles, fast schon zu perfektes Lächeln. „Ich mag es einfach, sauber zu sein“, sagte sie.
Ihre Antwort hätte mich beruhigen sollen. Stattdessen hinterließ sie ein dumpfes Unbehagen in mir. Lily war sonst unbeschwert und ein bisschen unorganisiert. Diese Antwort war nicht typisch für sie; sie wirkte einstudiert.
Etwa eine Woche später entwickelte sich dieses Unbehagen zu etwas viel Schlimmerem.
Das Wasser in der Badewanne lief nur langsam ab, also beschloss ich, den Abfluss zu reinigen. Ich zog Handschuhe an, entfernte den Metalldeckel und benutzte eine Abflussspirale, um die Verstopfung zu beseitigen.
Er griff nach etwas Weichem.
Ich hatte einen Haarbüschel erwartet. Doch als ich daran zog, erstarrte ich.
Zwischen den verhedderten Fäden befand sich noch etwas anderes: feine Fasern, ähnlich wie Stoff. Durch vorsichtiges Abspülen unter fließendem Wasser verschwand der Schmutz und gab ein vertrautes Muster frei: ein hellblaues Karomuster.
Mein Herz hörte auf zu schlagen.
Es war das gleiche Muster wie Lilys Schuluniformrock.
Meine Hände begannen zu zittern. Kleidung landet nicht einfach so im Abfluss, zerrissen. Es sah aus, als wäre sie gerieben, gezogen, ja sogar absichtlich beschädigt worden.
Dann sah ich ihn.
Schwach, aber unverkennbar – ein bräunlicher Fleck, durch Wasser verdünnt, aber immer noch sichtbar.
Es sah nicht nach Schmutz aus.
Es sah aus wie getrocknetes Blut.
Mein Kopf suchte verzweifelt nach banalen Erklärungen – ein aufgeschürftes Knie, Nasenbluten, ein gerissener Saum –, aber nichts rechtfertigte ihre Gier, sofort nach ihrer Heimkehr zu baden. Nicht jeden Tag. Nicht so.
Mit zitternden Händen griff ich nach meinem Handy.
Ich habe nicht gewartet.
Ich habe in der Schule angerufen.
Als die Rezeptionistin öffnete, versuchte ich, ruhig zu klingen. „Hallo, hier spricht Lily Carters Mutter. Ich wollte nur fragen, ob es irgendwelche Vorfälle in der Schule gab. Irgendwelche Verletzungen? Irgendetwas Ungewöhnliches nach der Schule?“
Es herrschte Stille.
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