Als Jessie etwas sagen wollte, blieb ihr die Stimme im Hals stecken. Angela sagte nichts; sie hielt ihr nur das Telefon hin. Auf dem Display war ein Foto eines Briefes, den sie auf dem Dachboden gefunden hatte, geschrieben in schräger, sorgfältiger Handschrift. Ein Mann namens John. Ihr leiblicher Vater. In dem Brief stand, dass er seine Töchter zurückhaben wollte, und für die Mädchen war dieses Stück Papier der endgültige Beweis, dass die Frau, die sie aufgezogen hatte, ihnen ihr „wahres“ Leben gestohlen hatte.
Die Bürde einer Hebamme: der Griff einer sterbenden Hand.
Um Jessies Schweigen zu verstehen, muss man zwanzig Jahre zurückgehen, in einen sterilen Kreißsaal. Jessie war eine junge Hebamme, verängstigt und allein bei ihrer ersten Geburt. Ihre Mutter war gerade siebzehn und im Sterben, als neues Leben den Raum betrat. Mit letzter Kraft packte das Mädchen Jessies Handgelenk, ein Griff so fest, dass er jahrelang eine unauslöschliche Narbe hinterließ.
„Versprich mir, dass du dich darum kümmerst“, flüsterte sie.
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