Kartoffeln, Ziegenmilch, Farbe – alles wurde mit den Nachbarn geteilt. Vor dem Krieg war diese Abgeschiedenheit ein Segen. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich wurde sie zur Falle. Mein Mann, Étienne Fournier, war im April desselben Jahres zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik in Deutschland verschleppt worden. Ich erinnere mich an den Tag, als sie ihn abholte. Er stand im Garten, hackte Holz, schwitzte, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt.
Als er die Soldaten den Hügel heraufkam sah, ließ er die Axt fallen und sah mich mit diesem Blick an, der alles sagte, ohne Worte. Nicht kämpfen, keinen Widerstand leisten, überleben. In diesem Moment führt sie ihn ab. Sie ließen ihn sich nicht richtig verabschieden. Sie stießen ihn einfach mit anderen Männern aus dem Dorf auf einen Lastwagen, und ich stand da, den eisigen Wind im Gesicht, und sah zu, wie der Staub von der Straße aufwirbelte, als der Lastwagen den Berg hinunterfuhr.
In jener Nacht, allein in dem Steinhaus meiner Eltern, verspürte ich zum ersten Mal echte Angst. Nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst vor einem Leben ohne Sinn, ohne Hoffnung, in dem nichts als Leere schlummert. Zwei Monate später erfuhr ich, dass ich schwanger war. Es war nicht geplant. Es war ein Zufall, vielleicht ein Wunder, je nachdem, wie man es betrachtet.
Étienne und ich hatten unsere letzte gemeinsame Nacht verbracht, eng aneinandergekuschelt unter dicken Decken, zitternd vor Kälte und Verzweiflung, und versucht, uns an der Wärme des anderen festzuhalten, bevor der Krieg uns für immer trennte. Als ich merkte, dass meine Periode ausblieb, als mir übel wurde und meine Brüste schmerzten, wusste ich es sofort.
An jenem Morgen weinte ich. Ich weinte, weil ich allein war. Ich weinte, weil ich nicht wusste, ob Étienne noch lebte. Ich weinte, weil es mir wie die grausamste und egoistischste Entscheidung vorkam, die man treffen konnte, ein Kind inmitten dieses Krieges zur Welt zu bringen. Aber ich weinte auch vor Erleichterung, denn zum ersten Mal seit deinem Weggang hatte ich wieder einen Lebenssinn, etwas Größeres als mich selbst, etwas, das in einer Welt, die vom Tod durchdrungen war, noch voller Leben war.