„Wir können nicht einfach so weitermachen“

Für Friedrich Merz steht fest: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Die vergangenen Jahre seien kein Maßstab mehr für die Zukunft. Deutschland müsse sich neu aufstellen – auch wenn das unbequem werde.
„Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren.“ Der Kanzler signalisiert damit einen harten Kurswechsel. Reformen seien notwendig, selbst wenn sie auf Widerstand stoßen. Dass ihn diese Haltung angreifbar macht, weiß Merz selbst sehr genau.
Trotzdem zeigt er sich entschlossen. „Ich nehme dabei in Kauf, dass ich dafür angefeindet werde. Aber ich habe einen Amtseid abgelegt, und ich habe ein Gewissen. Beides verpflichtet mich.“ Eine Aussage, mit der er seinen politischen Anspruch unterstreicht.
Merz präsentiert sich damit als jemand, der unangenehme Wahrheiten aussprechen will. Doch was genau meint er mit den Herausforderungen, vor denen Deutschland steht? Darauf gab er ebenfalls eine klare Antwort.
Kanzler warnt: Viele unterschätzen die Weltlage

Nach Ansicht des Regierungschefs fehlt vielen Menschen das Bewusstsein dafür, wie stark sich die Welt derzeit verändert. Nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Teile der Politik würden die Lage unterschätzen.
Merz formuliert es deutlich: Große Teile der Bevölkerung und auch der politischen Klasse sähen nicht, „was sich in der Welt da draußen gerade abspielt“. Damit spielt er auf geopolitische Spannungen, wirtschaftlichen Druck und neue globale Machtverschiebungen an.
Seiner Ansicht nach habe sich Deutschland über Jahre in Sicherheit gewiegt. Das Land habe sich an Stabilität und Wohlstand gewöhnt – ohne ausreichend auf kommende Risiken vorbereitet zu sein.
Genau an diesem Punkt wird der Kanzler besonders grundsätzlich. Denn er stellt nicht weniger als das bisherige Selbstverständnis der Bundesrepublik infrage – mit einer Aussage, die viele überraschen dürfte.
Merz spricht von einer „Wohlstandsillusion“

Der CDU-Politiker findet drastische Worte für die wirtschaftliche Lage. Deutschland habe sich in einer komfortablen Umgebung eingerichtet, erklärt er. Doch diese Phase könne nicht einfach fortgesetzt werden.
„Bitte nehmen Sie es nicht als Vorwurf, aber wir haben uns in einer Wohlstandsumgebung eingerichtet.“ Für Merz war dieser Zustand bequem, aber trügerisch. Nun müsse das Land erkennen, dass alte Sicherheiten bröckeln.
Besonders aufhorchen lässt sein nächster Satz: „Ich bin seit 20 Jahren der erste Kanzler, der den Deutschen sagt: Unsere Wohlstandsillusion wird nicht halten.“ Damit grenzt er sich bewusst von seinen Vorgängern ab.
Stattdessen fordert er mehr Einsatz, mehr Tempo und mehr Bereitschaft zur Veränderung. Doch der Kanzler weiß offenbar auch, dass seine direkte Art nicht überall gut ankommt. Deshalb zeigte er überraschend Selbstkritik.
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