Teil 2:
Sarah antwortete Lucas nicht. Sie legte die schwarze Mappe zwischen die Servierschüsseln, setzte sich neben mich und öffnete sie. Schon auf den ersten Seiten lagen die Dinge, von denen Chloe und Lucas geglaubt hatten, ich würde sie niemals bemerken.
Kontoauszüge. Quittungen. Fotos. Ausgedruckte Nachrichten.
Dann kam die Abschrift ihrer Gespräche.
Chloes grausamste Sätze waren gelb markiert, darunter ihre Worte darüber, jeden möglichen Vorteil aus mir herauszuholen, solange ich noch alles bezahlte.
Chloe wurde kreidebleich.
Ihr Blick sprang von den Seiten zu mir und dann zu Lucas, als suche sie jemanden, der ihr sagte, das alles könne nicht echt sein.
Lucas griff nach seinem Handy.
„Was hast du getan, Mom?“
Seine Stimme klang jetzt nicht mehr überlegen.
Sarah blieb ruhig. Sie sortierte die Unterlagen nicht hastig und erklärte auch nichts, was nicht nötig war. Sie ließ einfach vor ihnen liegen, was sie selbst geschrieben, gesagt und getan hatten.
Ich sagte ebenfalls nichts.
Vor wenigen Minuten hatten sie noch geglaubt, sie würden aus meinem Haus gehen und mich mit den Rechnungen, den Erinnerungen und ihrer Verachtung zurücklassen.
Jetzt wussten sie zumindest, dass ich drei Wochen lang nicht hilflos gewesen war.
Sarah griff schließlich noch einmal in die Mappe.
„Es gibt noch ein Dokument“, sagte sie.
Sie zog ein einzelnes Blatt heraus, drehte es um und schob es langsam über den Tisch zu ihnen.
Lucas beugte sich vor.
Sein Blick blieb an dem Namen ganz oben auf der Seite hängen.
Im nächsten Moment verschwand jede Farbe aus seinem Gesicht.
Er nahm sein Handy, tippte mit zitternden Fingern auf den Bildschirm und begann, einen Krankenwagen zu rufen.
Schreib HAUS, dann poste ich Teil 3.