TEIL 2 – DAS GEHEIMNIS HINTER DER MASKE – Nachrichten

TEIL 2 – DAS GEHEIMNIS HINTER DER MASKE – Nachrichten

In den ersten Wochen ihrer Ehe glaubte Clara, sie habe das größte Opfer ihres Lebens gebracht.

Jeden Morgen wachte sie in der riesigen Villa Montemayor auf, umgeben von unbezahlbaren Gemälden, Marmorböden und Bediensteten, die sie wie eine Königin behandelten.

Aber nichts davon fühlte sich wie ein Segen an.

Denn jede Nacht kehrte sie in dasselbe Schlafzimmer zurück.

Das Schlafzimmer, in dem Don Baste in seinem Rollstuhl saß und schweigend zu Abend aß, während Clara versuchte, den Mann zu verstehen, den sie gezwungen worden war zu heiraten.

Er war genau so, wie die Gerüchte besagten.

Kalt.

Schwierig.

Anspruchsvoll.

Manchmal verschüttete er absichtlich sein Getränk und beobachtete ihre Reaktion.

Manchmal beschwerte er sich sogar über das Essen, wenn der Koch die besten Gerichte des Landes zubereitet hatte.

Manchmal rief er mitten in der Nacht ihren Namen, nur um sie um etwas Kleines zu bitten.

Ein Glas Wasser.

Eine Decke.

Ein Buch aus dem Regal.

Clara wusste, was er tat.

Er testete sie.

Was sie aber verwirrte, war, dass sie hinter all seiner Grausamkeit noch etwas anderes sah.

Einsamkeit.

Es gab Momente, in denen Don Baste dachte, sie würde nicht hinschauen.

Momente, in denen sein zorniger Gesichtsausdruck verschwand und seine Augen schmerzlich leer wirkten.

Eines Nachmittags betrat Clara die Bibliothek des Herrenhauses und fand ihn dabei vor, wie er ein altes Foto anstarrte.

Es war das Bild eines jüngeren Mannes.

Ein gutaussehender Mann.

Ein Mann stand neben einer Frau, die seiner Mutter ähnelte.

Einen kurzen Augenblick lang sah Clara Traurigkeit in seinem Gesicht.

Dann hat er es schnell zugedeckt.

„Was machst du hier?“, fuhr er ihn an.

Clara trat zurück.

„Ich habe nur nach einem Buch gesucht.“

„Man sollte lernen, Räume nicht ohne Erlaubnis zu betreten.“

“Es tut mir Leid.”

Sie drehte sich um und ging.

Doch bevor sie die Tür erreichte, hörte sie ihn leise sagen:

„Glaubst du wirklich, ich bin ein Monster?“

Clara blieb stehen.

Sie blickte langsam zurück.

Don Baste starrte immer noch auf das Foto.

„Ich weiß nicht, was ich denken soll“, gab sie ehrlich zu.

Ein bitteres Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Wenigstens bist du ehrlich.“

Clara zögerte.

„Die Leute reden viel über dich.“

“Ich weiß.”

„Sie beschimpfen dich aufs Übelste.“

Seine Finger umklammerten das Foto fester.

“Ich weiß.”