Es gibt Rezepte, die begleiten einen durchs ganze Leben, auch wenn man es gar nicht bewusst plant. Manche Gerichte entstehen aus Zufall, andere aus Notwendigkeit, wieder andere werden einfach irgendwann zu einer kleinen Tradition. Bei mir sind es tatsächlich die Frikadellen, und zwar nicht irgendwelche, sondern jene, die ich inzwischen nur noch ohne Fett mache. Ein Satz, den ich vor ein paar Jahren selbst nicht geglaubt hätte – denn für mich waren Frikadellen früher untrennbar mit der Pfanne, viel Öl und dem typischen, manchmal sogar etwas zu schweren Bratgeruch verbunden. Wenn du mich damals gefragt hättest, ob man Frikadellen ohne Fett machen kann und sie trotzdem saftig bleiben, hätte ich gelacht und gesagt: „Ja klar, und Wasser kann man bestimmt auch anbraten.“
Aber wie es im Leben so ist, ändern sich die Dinge manchmal, ohne dass man es erwartet. Die Geschichte meiner fettfreien, aber supersaftigen Frikadellen begann eigentlich damit, dass ich nach einer Phase meiner eigenen körperlichen Umstellung – nennen wir es ehrlich: leichter Übergewicht und ständiges Gefühl von Schwere – nach Möglichkeiten suchte, meine Lieblingsgerichte etwas leichter zu machen. Nicht radikal, nicht kompliziert, sondern einfach etwas alltagstauglicher, etwas bekömmlicher. Ich wollte nicht verzichten, ich wollte optimieren. Und während viele Menschen mit Salaten anfingen, fing ich bei meinen Frikadellen an.
Denn Frikadellen gehören bei uns in der Familie zu den Gerichten, bei denen sich früher oder später alle am Tisch versammeln. Sie duften nach Zuhause, nach Geborgenheit, nach diesem Gefühl: „Heute esse ich etwas, das satt macht, glücklich macht und mich an schöne Momente erinnert.“ Meine Oma machte legendäre Frikadellen, meine Mutter hat ihre Version verfeinert, und ich habe irgendwann meine eigene kreiert. Aber diese Version – die fettfreie, supersaftige – war ein Zufallserfolg, der sich zu meiner liebsten Methode überhaupt entwickelt hat.
Am Anfang war es einfach ein Experiment. Ich wollte sehen, ob es funktionieren könnte, Frikadellen im Ofen zu machen, komplett ohne Fettzugabe, und trotzdem eine Konsistenz zu bekommen, die weich, zart und saftig ist. Dazu kam, dass ich mich immer geärgert habe, wenn die Küche nach dem Braten drei Stunden lang nach Öl roch oder die Pfanne anschließend in einem Zustand war, den man nur mit viel Küchenpapier und heißem Wasser wieder retten konnte. Also dachte ich mir: Warum nicht etwas anderes ausprobieren? Warum nicht die Frikadellen einmal im Ofen backen, schön gleichmäßig, ohne Spritzen, ohne Öl?
Und genau da begann der Zauber, denn ich entdeckte schnell, dass ich durch eine einfache Mischung aus Ketchup, Senf, Paprikapulver und warmem Wasser eine Art natürliche Feuchtigkeitsbasis schaffen konnte, die das Fleisch nicht austrocknen lässt. Ich weiß noch, wie ich damals erstaunt am Tisch saß, die ersten zwei Frikadellen probierte und dachte: „Moment mal… das schmeckt besser als die aus der Pfanne!“ Und mein Mann, der wirklich pingelig ist, was Frikadellen angeht, sah mich an und sagte nur: „Also… die kannst du ruhig öfter machen.“ Und wie du dir vorstellen kannst, das tat ich. Seitdem brate ich Frikadellen tatsächlich nur noch so.