Etwas Schreckliches, etwas Unwiderrufliches. Ich setzte mich neben Héline. Sie zitterte heftig. Ihre Zähne klapperten, ihre Hände waren zu Fäusten geballt, ihr Bauch fühlte sich an, als wolle er das Baby mit der Kraft eines Funkens beschützen. Ich flüsterte ihr zu: „Alles wird gut“, aber meine Stimme klang schwach, unglaubwürdig, denn ich glaubte es selbst nicht, und sie auch nicht.
Der LKW sprang an. Wir fuhren stundenlang den Berg hinauf. Die Strecke führte über schmale, gefährliche Schotterpisten, die bei jeder Kurve heftig durchgeschüttelt wurden. Einige Frauen erbrachen sich, andere weinten leise. Ich umklammerte meinen Bauch und spürte, wie mein Sohn strampelte, als ob auch er ahnte, dass etwas Schreckliches passieren würde. Als wir endlich anhielten, standen wir vor einem von Stacheldraht und Wachen umgebenen Ort.
Es war kein Konzentrationslager wie Auschwitz oder Dackel. Es war kleiner, abgelegener und lag versteckt in nebelverhangenen Bergen. Später erfuhr ich, dass der Ort Camp Vertors Süd hieß, ein Versuchslager, das eigens zur Erforschung gefangener Frauen aus der Umgebung errichtet worden war. Nach dem Krieg wurde seine Existenz aus den offiziellen Aufzeichnungen getilgt.