Die Vorverhandlung fand vor dem Bezirksgericht statt. Der Gerichtssaal war klein, dunkel holzgetäfelt und roch leicht nach Bodenpolitur, altem Papier und stundenlang verbranntem Kaffee. Richterin war die ehrenwerte Elaine Porter, eine Frau Anfang sechzig mit scharfen Augen und der müden Geduld einer Person, die schon jede erdenkliche Variante von „Ich dachte, es wäre meins“ gehört hatte.
Brent trug einen maßgeschneiderten Anzug. Laurel war in cremefarbenes Leinen gekleidet und saß kerzengerade. Ihr Anwalt führte den Großteil der Rede und verwendete dabei Begriffe wie Treu und Glauben, moderne Vermessungsmethoden, Wertsteigerung und Mehrdeutigkeit. Ruth Ann ließ ihn ausreden. Harold sagte mit der nüchternen Präzision eines Mannes aus, dem Genauigkeit wichtiger war als Eindrucksvollheit. Er erläuterte die historische Grenze, die Steinmauer, die Vermessungsmarken, die Aufzeichnungen des Landkreises, die Fehler in der GPS-gestützten Vermessung der Whitakers und das Versäumnis des Bauunternehmers, die alten Grenzsteine mit der neueren Annäherung in Einklang zu bringen.
Der Richter hörte ausdruckslos zu.
Dann stellte sie Brents Anwalt drei Fragen.
„Wurden Ihre Mandanten vor Beginn der Ausgrabungen über den Verlauf des historischen Zauns informiert?“
Er zögerte. „Sie wussten von einem Zaun, Euer Ehren, bestritten aber dessen rechtliche Bedeutung.“
„Bezog sich die von ihnen herangezogene Vermessung auf die Grenzaufzeichnungen von 1871?“
„Ich müsste das überprüfen –“
„Das heißt nein?“
Eine Pause. „Nicht explizit.“
„Wurden die Bauarbeiten nach Erhalt der amtlichen Mitteilung von Herrn Mercer fortgesetzt?“
Er blickte zurück zu Brent. „Einige der zuvor geplanten Arbeiten wurden fortgesetzt.“
Richter Porter lehnte sich zurück. „Das heißt ja.“